Kaiserschnitt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Sectiorate von 10-15 % aller Geburten. In Österreich ist die Kaiserschnittrate im Jahr 2010 bei 31,5 % aller Geburten. In den letzten 10 Jahren hat sich die Anzahl der Kaiserschnitte verdoppelt! Mittlerweile gibt es von mehreren Seiten Bestrebungen die Rate der Schnittentbindungen wieder zu senken: Viele Frauenärzte, Kinderärzte, Hebammen, Kinderkrankenschwestern, Therapeuten, PolitikerInnen, Mütter und Väter sind überzeugt, dass es nicht notwendig ist, jedes 3. Kind per Kaiserschnitt auf die Welt zu holen. Angesichts der negativen physischen und psychischen Auswirkungen auf Mutter und Kind und angesichts der hohen Kosten für das österreichische Gesundheitssystem und letztendlich für die SteuerzahlerInnen sollte die Schnittentbindung ausschließlich für den Notfall vorbehalten sein!


Die derzeitige Situation der Geburtshilfe in Österreich ist aufgrund der vielen medizinischen Interventionen (künstliche Geburtseinleitungen, Einsatz von PDA, Medikamenten, Schmerzmittel, Saugglocke und Zange, usw.) sehr bedenklich und die explodierende Zahl an Kaiserschnitten bei gleichbleibend niedriger Säuglingssterblichkeit und mehrfach erhöhten Müttersterblichkeit daher verwunderlich!

Als Ursachen für den Anstieg der Kaiserschnittrate werden u.a. folgende Faktoren gesehen:


Angst der Geburtshelfer vor Gerichtsklagen und Verurteilungen, die die Existenz bedrohen könnten. Gutachter als Henker.
höhere Zeit-Leistungseffizienz im Krankenhaus bei geplanten Schnittentbindungen
Ärzte beherrschen die einschlägigen geburtsmedizinischen Techniken nicht mehr z.B. Entbindung einer Beckenendlage oder Zwillingsgeburten
Hochstufung von „Risikosituationen“ z.B. Zwillingsgeburt, höheres Geburtsgewicht des Babys
Frauen haben sich verändert, sind ängstlicher geworden und werden auch weiter verunsichert
Frauen haben zuwenig vollständige Informationen über die Nachteile und langjährigen negativen Auswirkungen des Kaiserschnitts für Mutter und Kind
großzügiger und leichtfertiger Umgang mit Schmerzmittel (PDA), Schmerzen aushalten ist nicht „in"
Ärzte und Hebammen bieten wenig alternative Schmerzlinderung an (Wasser, Massage, Tönen, Bewegung,…).
Geringe gesellschaftliche Wertigkeit einer natürlich durchgestandenen Geburt und Wochenbett
Prominente Frauen mit Kaiserschnitt sind Meinungsmacherinnen mit Vorbildfunktion. Es entsteht der Eindruck, dass die Sectio ein harmloser Routineeingriff sei.
Irreführung der schwangeren Frauen durch dreiste Marketingmaßnahmen (Sectio Soft ist nicht real!)
Erstkontakt mit Hebamme erfolgt zu spät (oft erst im Kreissaal, leider nicht bei der ersten Mutter-Kind-Pass Untersuchung!)
Hohe private Kosten für die werdende Mutter, wenn sie eine kontinuierliche Hebammenbetreuung wünscht.
Durch die technische Geburtsüberwachung werden schon geringe Normabweichungen der beobachteten Parameter pathologisiert und weitere Schritte eingeleitet.
Interventionskaskaden führen oft zu einem ungünstigen Geburtsverlauf und können mit Sectio enden.
Die Geburtshilfe wird als Hochrisikomedizin eingestuft, dadurch entwickelt sich eine defensive Vorgehensweise, bei der die juristische Absicherung der Geburtshelfer im Vordergrund steht und nicht die Interessen der gebärenden Frauen und Babys.
Es gab noch keine Verurteilung vor Gericht wegen einem nicht notwendigen Kaiserschnitt.
Es sind keine Kontraindikationen für eine Sectio definiert.
Es gibt keine Kontrollinstanz oder ein Korrektiv für die Beurteilung der medizinischen Notwendigkeit von durchgeführten Kaiserschnitten.
Überarbeitung und Übermüdung von Ärzten führen zu Fehlern und Fehlentscheidungen.
Mangelnde Kommunikation zwischen Ärzten und PatientInnen.


Wir haben mehrere Lösungswege aus der Kaiserschnitt-Krise mit unseren Podiumsgästen, Vortragenden und dem Publikum in der Weltgeburtswoche 2009 erarbeitet und fassen diese hier zusammen:


Die körperlichen Grundbedürfnisse der gebärenden Frau nach Ungestörtheit, Unbeobachtetheit und emotionaler Zuwendung werden umfassend respektiert und erfüllt.
Schwangere Frauen binden Hebammen frühzeitig in die Schwangerschaftbegleitung ein.
Gesunde Frauen mit normaler Schwangerschaft werden ausschließlich von Hebammen betreut und bei Komplikationen wird ein Gynäkologe oder Spital aufgesucht (niederländisches Modell).
Werdende Mütter überlegen sich genauer, was der passende Geburtsort und wer der passende Geburtshelfer für sie ist und nehmen sich ihre eigene Hebamme mit ins Spital (Wahlhebammenprojekt).
Schwangere Frauen und Paare informieren sich vorher umfassend über die Nachteile einer Sectio für Mutter und Kind! Ratsam ist, 2 bis 3 unabhängige Expertenmeinungen einzuholen und sich Zeit zu lassen für diese Lebensentscheidung.
Schwangere Frauen und Paare sind kritisch gegenüber Kaiserschnitt-Vorhersagen in den frühen Monaten der Schwangerschaft (z.B. ist es nicht möglich, eine medizinische Kaiserschnitt-Notwendigkeit in der 12. Schwangerschaftswoche festzustellen!)
Hausgeburt attraktiver machen (volle Kostenübernahme durch die Krankenkasse, finanzieller Anreiz für Mütter: Wochengeld wird für 16 Wochen ausgezahlt aufgrund der langfristigen Einsparung von Folgekosten und signifikant besseren Gesundheitszustands von Mutter und Kind im Vergleich zur Schnittentbindung).
Abwarten der 2 Wochen-Frist nach errechnetem Geburtstermin bei unauffälliger Schwangerschaft und guter Gesundheit von Mutter und Baby. Manche Babys lassen sich eben Zeit.
Angst der Ärzte vor Gerichtsverfahren wegen Geburtsschäden oder unterlassender Kaiserschnitte nimmt ab aufgrund einer grundlegenden Haftungsänderung (siehe skandinavische Modelle).
Einführung eines Selbstbehalts bei Wunschkaiserschnitt z.B. 100-200 Euro.
Einführung eines Bonus-Malus-Systems für Geburtsklinken und Ärzte.
Deckelung der Rückvergütungen von Krankenkassen für Geburtskliniken bei ca. 10 bis 15 % Sectiorate.
Verpflichtende Veröffentlichung der Kaiserschnittraten pro Geburtsklinik, Arzt und Hebamme im öffentlichen und privaten Spitalsbereich, sowie freier Praxis.
Wenn ein Kaiserschnitt geplant durchgeführt wird, den natürlichen Wehenbeginn abwarten aufgrund des erwiesenen Nutzens für das Kind (Vorbereitung auf das Leben ausserhalb des Mutterleibs, weniger Anpassungsstörungen, Anregung von Stoffwechsel und Durchblutung, Vorbereitung der Atmung, insgesamt besserer Allgemeinzustand, Respektieren des vom Kind ausgewählten Geburtszeitpunkts)
Keine geplanten, nicht dringlichen Kaiserschnitte und keine Wunschkaiserschnitte vor der 39. Schwangerschaftswoche: bessere, medizinische Werte des Babys nach der Geburt, wenn es nahe dem erwarteten Geburtstermin entbunden wird (ausgereifter).

Sehr gute Informationen finden Sie in Caroline Oblassers Buch "Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht"

Master Thesis AUSWIRKUNG UND BEDEUTUNG DER STEIGENDEN SECTIORATEN AUF DAS ÖSTERREICHISCHE GESUNDHEITSSYSTEM von Brigitte Theierling
steigendesectioratenbtheierling.doc

Die Kaiserschnittstudie von Petra Kolip und Ulrike Lutz in Zusammenarbeit mit der deutschen Gmündner Ersatzkasse im Jahr 2006 bietet einen umfangreichen Einblick in die neuesten Ergebnisse zum Kaiserschnitt in Deutschland. Die Situation ist in Österreich sehr ähnlich und daher sind die Daten auch für uns sehr interessant und wichtig.
gekkaiserschnittstudie.pdf

Die Wunschsectio - Die Ergebnisse einer Umfrage unter GynäkologInnen, Wunschkaiserschnittgegner und -befürworter und deren entscheidungsrelevante Kriterien, Susanne Eidenschink, Deutschland, Dissertation, 2004
wunschsectio.pdf



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"Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht" C.Oblasser

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